Titelbild breitband 2018

Bericht über Schüleraustausch

Nicolaus-Kistner-Gymnasium Mosbach und Ben-Yehuda-Highschool Ness Ziyyona Besuch in Israel vom 23.02. – 06.03.2918

„Äh, wie? Was sollen wir machen? Feldarbeit bei dieser Hitze? Das ist doch ein Schüleraustausch!“ Verständnislos steht die 22-köpfige Schülergruppe des Nicolaus-Kistner-Gymnasiums am Rande einer Zitronenplantage im nördlichen Teil der Wüste Negev. Ihr Blick gleitet ungläubig über die scheinbar endlosen Reihen kleiner Bäumchen, wo sich ihre israelischen Austauschpartner bereits ganz selbstverständlich ans Werk gemacht haben. Einige klärende Worte bringen jedoch schnell Licht ins Dunkel:

Auszug aus dem Mosbacher Stadtanzeiger KW 12

Es handelt sich um eine in Israel übliche Solidaritätsaktion, bei der Jugendliche regelmäßig in der Landwirtschaft zum Einsatz kommen. Ein junger Bauer zeigt den Schülerinnen und Schülern, was zu tun ist. Die zierlichen Stämmchen müssen von jungen Trieben befreit und angebunden werden. Bei 25 Grad und strahlendem Sonnenschein kommt man da schnell ins Schwitzen. Einmal mehr wird den deutschen Schülern klar, wie sehr sich die Lebenswelt der israelischen Jugendlichen von ihrer eigenen unterscheidet. Eine der vielen Faszinationen einer solchen Begegnung liegt ganz offensichtlich in der Wahrnehmung von deutlichen Unterschieden, die es bei aller Ähnlichkeit in Jugendkultur und Interessen gibt. Immer wieder entwickeln sich rege Diskussionen über verschiedene Weltsichten und Perspektiven

Überhaupt zieht sich das große Thema „Identität“ wie ein roter Faden durch das erlebnisreiche Programm des Schüleraustauschs zwischen der Ben-Yehuda-Highschool in Ness Ziyyona und dem Nicolaus-Kistner-Gymnasium, der nun schon zum vierten Mal in Folge stattfindet. Beispielsweise lernen die 15-18 jährigen Schülerinnen und Schüler im Theodor-Herzl-Museum in Jerusalem anhand einer eindrucksvollen Multimediashow den Begründer des politischen Zionismus kennen. Bevor jedoch Herzls Traum vom eigenen Staat als Heimat und Zufluchtsstätte für Juden aus der ganzen Welt Wirklichkeit werden konnte, war es zur Katastrophe des Holocaust gekommen. Der gemeinsame Besuch der weltberühmten Gedenkstätte Yad Vashem stimmt die Jugendlichen zutiefst nachdenklich und verleiht den erst vor wenigen Monaten geschlossenen und mittlerweile innigen Freundschaften zwischen deutschen und israelischen Schülern eine weitere, sehr wichtige Dimension. Ein interaktives Quiz im Chaim Weizmann Institute in Ness Ziyyona auf den Spuren des ersten Präsidenten Israels spannt schließlich den Bogen von der Staatsgründung 1948 bis hinein in die Gegenwart. Ein Gefühl für das, was hier erreicht wurde, stellt sich auch im Rahmen eines Ausflugs ins nur 12 km entfernte Tel Aviv ein. Nach einem Besuch der antiken Hafenstadt Jaffo vor den Toren der Trendmetropole ist es sehr beeindruckend zu sehen, wie hier innerhalb von gut einem Jahrhundert aus einer Wüstensiedlung eine moderne, pulsierende Großstadt gewachsen ist. Nach und nach entsteht so ein immer komplexeres Bild vom Selbstkonzept der israelischen Gastgeber sowie ein vertieftes Verständnis dessen, was dieses überaus heterogene Volk im Innersten zusammenhält.

Letztendlich sind es aber natürlich vor allem die persönlichen Kontakte mit den Menschen, den israelischen Familien, die mit ihrer überwältigenden Gastfreundschaft diesen Austausch zu einem unvergesslichen Erlebnis machen. Die Schülerinnen und Schüler aus Mosbach erhalten am Sabbat und während der Purim-Feiertage tiefe Einblicke in die jüdische Kultur und Religion. Was sie jedoch am meisten beeindruckt ist das Temperament und die Lebensfreude ihrer Partner:„Die Israelis sind einfach immer so gut drauf“ und die Deutschen lassen sich anstecken. Schon am frühen Morgen wird im Bus lauthals gesungen und gelacht, bzw. an sämtlichen möglichen und unmöglichen Orten spontan getanzt und gefeiert. Die Stimmung in der Gruppe ist großartig.

Am Ende ihrer gemeinsamen Zeit führt eine zweitägige Exkursion die insgesamt rund 50-köpfige Truppe in die Wüste nahe Mizpe Ramon, wo es inmitten spektakulärer Landschaften einiges zu erleben gibt: Eine abenteuerliche Wanderung auf einen Bergkamm ermöglicht atemberaubende Ausblicke über den Großen Krater (Makthesh Ha Gadol). Das Abseilen an einer Steilwand erforderte sowohl Mut als auch Geschicklichkeit und wird den Schülern ebenso wie das wundervolle Abendessen im offenen Beduinenzelt sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben. In dieser lauen Nacht unter dem weiten Sternenhimmel der Wüste Negev vermag sich niemand vorzustellen, dass in Deutschland Temperaturen von rund 10 Grad Minus herrschen…

Nach einem tränenreichen Abschied von den israelischen Partnern reisen die deutschen Schülerinnen und Schüler zusammen mit ihren Begleitlehrerinnen Simone Schaupp und Katrin Mai noch drei weitere Tage durchs Land. In Jerusalem besuchen die NKGler im Rahmen eines geführten Rundgangs die 2500 Jahre alten Prophetengräber am Ölberg, den Garten von Gethsemane und die Grabeskirche. An der Klagemauer, der heiligsten Stätte des Judentums, gibt es Gelegenheit zu beten und kleine Zettel mit Herzenswünschen in den Mauerritzen zu hinterlassen. In den engen Gassen der Altstadt erwartet die Mosbacher ein Fest für die Sinne: Kirchenglocken läuten, aus den Suks steigen die Düfte orientalischer Gewürze und frischer Kräuter und von Fern ist der Ruf des Muezzin zu hören. Orthodoxe Juden und Pilger aus aller Herren Länder prägen das Straßenbild. Ein weiteres Highlight außerhalb der Stadtmauern ist der Besuch der alten Davidsstadt einschließlich „feucht-fröhlicher“ Durchquerung des Hiskia-Tunnels, eines 500 m langen Durchgangs, der hüfthoch mit Wasser gefüllt ist.

Am letzten Tag steht die Erkundung der heiligen Stätten der Christenheit rund um den See Genezareth auf dem Programm. Eine Kahnfahrt im ersten Morgenlicht von Ginosar nach Kapharnaum wird zu einem beinahe mystischen Erlebnis. Niemand kann sich der Spiritualität dieser Orte entziehen. Als ein Schüler die entsprechenden Texte aus der Bibel vorliest, herrscht andächtige Stille. Entsprechend haben die Jugendlichen am Nachmittag beim Besuch des Benediktinerordens in Tabgha viele Fragen. Ein Pater nimmt sich Zeit für ein intensives Gespräch über Gott und die Welt und ermöglicht so den Schülern einen Einblick in seine - für sie doch ebenfalls fremde - Realität.

Erfüllt von einem bunten Kaleidoskop an Eindrücken kehren die Jugendlichen nach Mosbach zurück. Sie haben viel erlebt und viel gelernt in einem Land, das vielschichtiger nicht sein könnte. Ein spannender Austausch – in jeder Beziehung!

Katrin Mai, NKG

Israelaustausch März 1

Auszug aus dem Mosbacher Stadtanzeiger KW 12

Israelaustausch März Mosb Stadtanz KW12

Drucken E-Mail

Studien- und Beruforientierung

Informationen zur Studien- und Schulberatung an Ihrer Schule finden Sie hier. informieren sie sich auf der Seite der Bundesagentur für Arbeit

Kontakt

Kontaktdaten des NKG:

Jean-de-la-Fontaine 6-10

74821 Mosbach

Tel.: 06261 / 92800

Fax: 06261 / 928080

Email: sekretariat@nkg-mosbach.de

Mo-Do. 07.30 - 14.00Uhr

Fr. 07.30 - 12.00Uhr